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Reisetreff Reiseberichte

Antarktika - eine Traumreise ans Ende der Welt

Eingetragen von Reinhardt Ax am 19 January 2012

 

Der nachfolgende Bericht bezieht sich auf die Reise "Auf den Spuren großer Entdecker" der Hurtigruten. Er gilt aber grundsätzlich auch für die anderen Expeditions-Seereisen dieses und anderer Veranstalter in dieser Region.

 

Nach einem Tag in Buenos Aires ging es am 3. November an Bord der FRAM, "Explore Antarctica" konnte beginnen. Eine Kreuzfahrt der ganz anderen Art. Das "kleine Schwarze" ist daheim im Schrank geblieben, stattdessen liegt die wasserfeste Latzhose vom Segelboot im Koffer. Die Jacke dazu wird es an Bord geben, als Andenken. Und die gefütterten Gummistiefel werden wir geliehen bekommen. Die MS Fram ist kein klassisches Kreuzfahrtschiff, sondern ein Expeditionsschiff mit zahlenden Gästen. Es gibt zwar eine Sauna und einen Fitnessbereich mit Whirlpool, aber es gibt keinen Beautyshop, keine Massagen und auch keine Boutiquen. Es gibt einen Shop, da kann man, wenn es sein muss und es im Koffer fehlt, Shampoon oder Sonnencreme kaufen, Es gibt T-Shirts und Pullover mit Aufdruck Hurtigruten, ein paar Postkarten und noch ein paar Kuscheltiere, denen wir demnächst in Persona begegnen werden. Das ist es.

 

Es gibt keine Animateure, also auch keine Animation, es gibt kein Abendprogramm mit Spaß und Spiel oder gar Bingo. Aber Spaß hatten wir trotzdem. An den Seetagen gibt es jeweils mehrere wissenschaftliche Vorträge und viele Informationen, über die Entdecker und Polarforscher, die – gemessen am erdgeschichtlichen Alter dieser Region – erst kurz vor uns hier waren, über die Tierwelt, auf die wir zusteuern, über den Antarktis-Vertrag, der diesen 6. Kontinent in einmaliger Weise international macht, über die Entstehung und Erforschung der Antarktis und über vieles Andere mehr. Eine hochinteressante Reise und eine angenehme dazu. Ein 12köpfiges Expeditionsteam wird uns in den nächsten knapp 3 Wochen betreuen und uns mit ihrer Leidenschaft für die Antarktis anstecken. Vor uns liegen 4 Seetage, dass klingt nach viel Ruhe und Entspannung, aber es kommt anders, da es gleich mit Vorträgen losgeht.

 

Da wäre z. B. Frederike, Geografin und Biologin, die viele Expeditionen mitgemacht und geleitet hat und an beiden Polkappen dieser Welt so gut wie zuhause ist, mit ihrem kompetenten und wissenschaftlich fundiertem Vortag zu Chiles großem Süden: Geographische Aspekte Patagoniens und Feuerlands. Wir lernen viel in diesen Tagen und unsere Freude wächst mit unserem Wissen. Wir freuen uns also auf Dampfschiffenten, auf Stelzenhasen, auf Magellanpinguine, Königspinguine, auf Kormorane und Albatrosse, auf den Beagle Kanal, auf die großen Gletscher und Eisberge und auf noch so vieles mehr.

 

Zum Expeditionsteam gehört auch ein mehrfach ausgezeichneter, professioneller Naturfotograph, der allen Hobbyfotographen an Bord in Theorie und Praxis zur Seite steht. Ob mit den 25 wichtigsten Regeln für gute Fotos, Tipps zur Belichtungskorrektur bei Schnee und Eis oder Trainings mit Vögeln im Flug auf dem Achterdeck. So geht es bestens vorbereitet der ersten Anlandung entgegen.

 

Am 5. Tag um 15.00 h fällt der Anker in Coffin’s Harbour und ab 16.00 h beginnt das Übersetzen mit den kleinen Booten. Auf New Island leben nur ca. 10 Menschen, aber einige 10tausend Felsenpinguine, Schwarzbrauenalbatrosse und Blauaugenkormorane. Alle diese Tiere brüten nur in einer Bucht der Insel, in Seltlement Rockery, dicht an dicht. Und dicht dabei auch wir. Es ist ein völlig neues Erlebnis sich in Tausenden von angstfreien Tieren zu bewegen, die sich so verhalten, als wären wir gar nicht da, oder die dann doch mal genau sehen wollen, wer sie da besucht und auf einen zukommen.

 

Am nächsten Morgen überrascht uns Carcass Island mit weit mehr Vegetation, als wir vermuteten. Und mit Esels- und Magelanpinguinen. Von den 17 Pinguinarten, die es insgesamt gibt leben 14 in dieser Region. Etliche davon werden wir noch kennenlernen.

 

 

Gut 400 Inseln bilden die Falklands, von den ca. 3000 Einwohnern leben die meisten in Stanley, das wir einen Tag später anlaufen. Die geografische Breite entspricht auf unserer Nordhalbkugel der von Norddeutschland, nur ist es mit durchschnittlich 8,3°C im Sommer und 2,6°C im Winter hier deutlich kälter als bei uns. Was erwartet uns? Erst einmal eine tolle Jeepexpedition zur Bluff Cove Lagoon und damit natürlich auch zu den nächsten Pinguinen, denn von denen können wir überhaupt nicht genug bekommen. Mann kann diesen possierlichen Frackträgern stundenlang zuschauen und sich immer mehr für sie begeistern. Und es sind jetzt auch die ersten Königspinguine mit ihren 1jährigen Jungen dabei.

 

Nach 2 Tagen auf See erreichen wir am Morgen Südgeorgien, die ersten Eisberge begegnen und beeindrucken uns. Die drauffolgende Anlandung bringt uns nicht nur zu den Königspinguinen mit ihren riesigen Kindergärten,

 

 

sondern auch mitten unter die Seeelefanten und Pelzrobben. Und da die Bullen gerade ihr Revier einrichten bzw. verteidigen, ist Vorsicht angesagt.

 

 

Am nächsten Tag landen wir in Grytviken, einer ehemaligen Walfangstation - ein regelrechter Industriebetrieb, in dem einst über 4000 Menschen mit dem Zerlegen und Verwerten der Wale beschäftigt waren. Allein in Südgeorgien sind über 175000 Wale verarbeitet worden und der Walbestand weltweit hat sich bis heute noch nicht wieder erholt.

 

Nach 2 weiteren Tagen auf See erreichen wir am 14. Tag unserer Reise mit Halfmoon Island die Antarktische Halbinsel, wo sich schon die Zügelpinguine auf unseren Besuch freuen, wie man sieht:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir sind jetzt richtig angekommen in Antarktika, in dieser traumhaften Welt. Durch das viele Treibeis kommen wir nur langsam voran und erreichen erst kurz vor 22:00 h Ortszeit die Bucht von Deception Island. Ganz langsam durchfahren wir die enge Einfahrt, in deren Mitte auch noch eine Untiefe liegt, in den Kratersee dieses abgesackten, aber immer noch aktiven (!) Vulkans: Gänsehaut pur in dieser unvorstellbaren Landschaft hier ganz am Ende der Welt:

 

 

Der nächste Tag bringt dann die ganz nahe Begegnung mit dem "ewigen" Eis. Hier ein kurzer Auszug aus unserem blog und Reisetagebuch:

 

08:00 h beim Frühstück: Vor den großen Fenstern schieben sich die Eisberge vorbei, viele große, unzählige kleine, dazwischen Treibeisfelder und zu beiden Seiten, nur wenige hundert Meter entfernt, die schneebedeckten Berge, dazwischen die Gletscher.

Wir sind in der Gerlache Straße. Da hält es uns nicht mehr auf den Stühlen, schnell in die Kabine und in die warmen Sachen schlüpfen und dann rumst es auch schon, das Schiff zittert, die Schranktüren klappern, der Abstand zum Eis ist auf NULL(!) geschrumpft. So vielen Eis kann man nicht mehr ausweichen. Beim dritten „Rums“ sind wir auf dem Oberdeck und damit mittendrin im Eis, in diesem einmaligen Schauspiel.

Vor uns, die Andword Bay, ist dicht - voller Packeis. Und dann kommt auch schon die Durchsage: „Anlandung ist leider nicht möglich“.

Aber bei diesem Expeditionsteam geht immer noch was! Also Plan B.

10 Minuten später kommt die Durchsage: „Groupi Nummer 7 auf Deck 2“. Das sind wir! Also: im Eiltempo in die Gummistiefel, Schwimmweste über und ins Polarcircel-Boot.

Wir erwischen das erste Boot überhaupt und deshalb ist Karin, die Leiterin des Expeditionsteams, auch mit dabei. Eis hautnah steht auf dem Programm und das ist es wirklich. Unvorstellbar und unbeschreiblich. Wir hoffen, dass wenigstens die Bilder etwas von diesem Eindruck vermitteln können. Wir jedenfalls sind erst mal atem- und sprachlos.

 

 

Nach dem Erlebnis im Eis ging es dann mittags weiter in die Paradies Bay, wo wir bei der argentinischen Station (Graham Land) anlanden wollten…

Wollten, aber das Packeis wollte das nicht. Aber unser Expeditionsteam wäre nicht…..

Also Plan D: die Chilenische Station, schräg gegenüber. Eselspinguine bis zum Abwinken vor traumhafter Kulisse. Abends verlegt die Fram dann noch durch den Neumayer Kanal nach Port Lockroy, wo wir für die Nacht vor Anker gehen.

 

Der Freitagmorgen beginnt mit dem Landgang zur ehemaligen britischen Station. Die Engländer hatten Port Lockroy 1941 angelegt, um den Schiffsverkehr der antarktischen Halbinsel zu kontrollieren. 1996 wurde die verlassene Station vom Antarctic Heritage Trust übernommen und als Museum hergerichtet.

Gegen Mittag sind alle wieder an Bord. Zum letzen Mal wird der Anker gelichtet, es geht zurück durch den Neumayer Kanal und die Gerlache Straße. Time to say good bye! Wir machen die letzten Aufnahmen von dieser unvorstellbaren Landschaft und haben feuchte Augen.

 

Dann wird Kurs 336° angelegt, es geht durch die Drake Passage nach Ushuaia.

Wir kennen den Wetterbericht nicht, aber dass die Mannschaft Tische und Stühle an Deck zusätzlich sichert, sagt genug.

 

Das Dinner anschließend ist heute ein wenig anders – manchem Stuhl ergeht es wie in Dinner For One. Und nicht nur der Riesling fliegt über den Tisch. Als dann im Vortragsraum die Stühle umkippen – die besetzten wohlgemerkt – wird das gesamte Abendprogramm abgesagt. Bis zu 10 Meter hohe Wellen sind Unterhaltung genug. Für die Einen! Die Anderen werden noch grüner im Gesicht, als sie hören, dass das Wetter die nächsten 24 h so bleiben wird.

 

Es bleibt aber nicht so, nach wenigen Stunden legt sich der Sturm und die Drake Passage wird zum "Drake Lake". Wir kommen schneller voran als geplant und der Kapitän macht uns noch die Freude und fährt eine Schleife und gönnt uns Kap Horn. Eines der letzten Highlights auf unserem Weg zum nächsten Festland-Abenteuer. Aber der Cabo des Hornes schenkt uns diese Freude nicht ganz – er liegt im Dunst und die Chilenen halten uns auf 3 Meilen Abstand. Deshalb kann man nur den Albatros, das Wahrzeichen dieser Felsgruppe und die Flagge nur schwach in der Ferne ausmachen.

 

Am Abend geht es dann zur Crew-Show in die Panorama-Bar. Obwohl die Crew (ohne Expeditionsteam) nur 61 Mitglieder zählt wird ordentlich was auf die Beine gestellt und man weiß nicht, wem es mehr Spaß macht, der Crew oder den Passagieren. Auf jeden Fall ist die Stimmung toll, und nach 18 Tagen an Bord kennt hier auch jeder jeden. Abschiedstimmung keimt auf.

 

Richtig Abschied nehmen heißt es dann am nächsten Tag in Ushuaia. Das gesamte Expeditionsteam steht an Land to say good bye. Sie haben uns in wunderbarer Weise diesen Kontinent nahe gebracht und diese Reise zu einer wirklichen Traumreise gemacht. Der Begriff Traumreise ist schnell und oft strapaziert, für uns ist er nur noch mit dieser Reise verbunden.

 

Wir sehen noch einiges von Ushuaia, fahren noch in den Nationalpark am südlichsten Ende von Feuerland. Später am Tag bringt uns dann der Flieger in 3,5 Stunden zurück nach Buenos Aires. Und wenn wir denn schon mal in Argentinien sind, dann muss es auch noch ein richtiges Rindersteak geben und natürlich eine Tangoshow. Beides war vom Feinsten.

 

Wir sind jetzt wieder seit einigen Wochen zu Hause und sind überrascht, wie diese Reise in uns nachwirkt. Messbar auch daran, dass man nach einer Reise sich noch diverse Reiseführer, Fachbücher und DVDs kauft. Es liegt sicher an dieser traumhaften Landschaft, an dieser exotischen Tierwelt, aber auch an der Tatsache, ganz am anderen Ende der Welt gewesen zu sein. Wie sagte einer von unserem Expeditionsteam so treffend: "Vergewissern sie sich auch mal wo wir hier sind. Wenn sie das ihren Freunden auf dem Globus zeigen wollen müssen sie schon die untere Schraube abdrehen."

 

Wir sind froh und glücklich, diese untere Schraube abgedreht zu haben und dort gewesen zu sein!

 

 

Brigitte & Reinhardt